
Durch meine Reise in die Welt der Geomantie und den keltischen Jahreskreis begann ich, den Winter mit neuen Augen zu sehen. Ich verstand, dass die Erde die Jahreszeiten braucht – und wir Menschen auch.
Die Rückkehr des Lichts
Frau Holle, der Götterbär und die Verwandlung der Erdgöttin
Die Rauhnächte sind vorbei. Der Januar liegt hinter uns. Und während draußen noch Schnee liegt und der Winter sein letztes Aufbäumen zeigt, geschieht unter der Oberfläche etwas Magisches: Das Leben erwacht.
Am 1. Februar 2026 – exakt zum Vollmond um 23:09 MEZ – feiern wir Imbolc. Das Fest, an dem Frau Holle ihre dunkle Wintergestalt ablegt und als lichtvolle junge Göttin den Frühling einleitet.
In diesem ersten Teil erfährst du:
Bereite dich darauf vor, die lichtvolle Göttin willkommen zu heißen. Der Winter ist gebrochen.
Imbolc ist das Fest der Schwelle. Es liegt genau zwischen der Wintersonnenwende (21. Dezember) und der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche (20. März). Der Winter herrscht noch – aber seine Macht ist gebrochen.

Imbolc ist wie das erste tiefe Einatmen der Erde nach einer langen Ohnmacht. Äußerlich herrscht oft noch Frost, aber wie bei einer Zwiebel, die tief unter dem Schnee bereits den Keim für die Blüte formt, ist die Entscheidung für das neue Leben bereits gefallen.
Der Zeitpunkt: Traditionell wird Imbolc in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar gefeiert. Ursprünglich orientierten sich unsere Vorfahren am Mondkalender – das Fest fiel auf den ersten oder zweiten Vollmond nach der Wintersonnenwende.
Dieses Fest trägt viele Namen, die seine verschiedenen Aspekte widerspiegeln:
Keltische Namen:
Christliche Namen:
Germanische/Rituelle Namen:

Alle Namen kreisen um dieselben Themen: Licht, Reinigung, Geburt und Neuanfang.
2026 ist ein besonderes Jahr für Imbolc:
Der Vollmond fällt exakt auf den 1. Februar 2026 um 23:09 MEZ – nur wenige Stunden bevor der 2. Februar (Lichtmess) beginnt.
Warum ist das bedeutsam?
Unsere Vorfahren feierten ihre Feste nach dem Mond, nicht nach dem Sonnenkalender. Der Vollmond zu Imbolc ist der zweite Vollmond nach der Wintersonnenwende – genau so, wie es ursprünglich berechnet wurde.
Der Vollmond symbolisiert:
2026 feiern wir Imbolc also im perfekten kosmischen Timing – wie unsere Ahnen es taten.
Frau Holle (auch Holda, Hulda oder Perchta genannt) ist keine Märchenfigur – sie ist eine vorchristliche Erdgöttin, die den Rhythmus des Jahres verkörpert.

Sie ist die Herrin der Unabänderlichkeit des steten Wandels. Sie manifestiert sich im Jahreslauf in drei Gestalten, die den natürlichen Kreislauf von Werden, Sein und Vergehen widerspiegeln:
Die weiße Göttin (Frühling/Sommer):
Die rote Göttin (Hochsommer):
Die schwarze Göttin (Herbst/Winter):
Wichtig: Dies ist kein Gegensatz – es ist ein Kontinuum. Frau Holle ist immer dieselbe Göttin, die sich verwandelt. Wie die Raupe zur Puppe zur Schmetterlingsich wandelt, so wandelt sich Holle durch das Jahr.
Zu Imbolc geschieht die Verwandlung:
Die dunkle Perchta – jene strenge Wintergöttin, die in den Rauhnächten durch die Lande zog und die Ordnung prüfte – legt ihre schwarze Gestalt ab.

Sie wird zu Holda – der lichtvollevollen, jungen Göttin des Frühlings. In einigen Mythen geschieht dies nicht sanft, sondern dramatisch: Die alte Göttin schmilzt wie Schnee in der wärmer werdenden Sonne. Ihr Schmelzwasser wird zu den ersten Frühlingsquellen.
Die Transformation bedeutet:
Geografische Varianten:
Jacob Grimm, der berühmte Märchensammler, fertigte eine Karte der Namensvarianten:
Aber überall ist es dieselbe Göttin – die Erdmutter, die Schicksalsspinnerin, die Hüterin der Schwellen.
Der Holunder (auch Hollerbusch oder Holder) ist Frau Holles heiliger Baum – und trägt ihre drei Farben:

Bedeutung des Holunders:
Brauchtum:
Eine alte germanische Legende erzählt vom Götterbären, der zu Imbolc seine Höhle verlässt:

Die Geschichte:
Symbolik: Der Bär symbolisiert die ruhende Kraft, die im Winter geschlafen hat und nun erwacht. Er ist das männliche Prinzip (Sonne), das aus dem weiblichen Schoß (Erde, Höhle, Frau Holle) geboren wird.
Wo lebt diese Tradition heute?
Das Märchen der Brüder Grimm „Schneeweißchen und Rosenrot“ ist eine verschlüsselte Imbolc-Geschichte:
Die Handlung (kurz):
Am Ende entpuppt er sich als verzauberter Prinz

Die Deutung:
Das Märchen erzählt also vom Übergang des Winters zum Frühling – vom Moment, an dem die dunkle Göttin den Sonnengott freigibt.
Frau Holle ist nicht nur Erdgöttin – sie ist auch Schicksalsspinnerin.
Die Verbindung zum Spinnen:

Die drei Nornen: In der nordischen Mythologie gibt es drei Schicksalsgöttinnen – die Nornen:
Manche sehen in Frau Holle eine Verkörperung aller drei – sie, die den ganzen Kreislauf kennt und webt.
Zu Imbolc bedeutet das:
Auch wenn noch Schnee liegt – die Natur gibt deutliche Zeichen:
Die Schneeglöckchen (Lichtmessglöckchen):

Die Birke – Baum der jungen Göttin:
Das Haselnusskätzchen:
Der Zyklus der Schafe ist zentral für Imbolc:

Für unsere Vorfahren bedeutete dies Überleben:
Die Symbolik heute: Auch wenn wir das ganze Jahr über alles kaufen können – die Frage bleibt: Was nährt dich? Was gibt dir neue Kraft nach der dunklen Zeit?
Das auffälligste Zeichen ist das Licht selbst:

Das Licht kehrt zurück – nicht mehr nur symbolisch, sondern sichtbar, messbar, fühlbar.
Lustration ist die rituelle, kultische Reinigung – und steht im Zentrum von Imbolc.
Warum Reinigung?
Imbolc ist der Moment, um alles auszukehren – äußerlich und innerlich

Traditionelle Reinigungsbräuche:
Im Haus:
Am eigenen Körper:
Austreiben der Wintergeister:
Mit Glocken, Rasseln, Trommeln durch die Felder ziehen
Ein besonders schöner Brauch ist das Wachrütteln der Obstbäume:

Wie es gemacht wird:
Die Symbolik:
Heute können wir das immer noch tun – liebevoll an Bäumen klopfen, sie aus dem Winterschlaf grüßen.
Der zentrale Brauch zu Imbolc ist das Entzünden von Kerzen:

Die Tradition:
Die Bedeutung:
Christliche Übernahme: Am 2. Februar (Mariä Lichtmess) werden in katholischen Kirchen die Kerzen für das ganze Jahr geweiht. Menschen bringen ihre Kerzen zur Messe, um sie segnen zu lassen – ein direktes Erbe des heidnischen Lichtfestes.
Imbolc ist ein Fest der Hoffnung und der Verheißung.

Draußen mag noch Schnee fallen. Der Winter mag noch einmal seine Kraft zeigen. Aber unter der Oberfläche ist bereits alles in Bewegung. Die Entscheidung ist gefallen: Das Leben kehrt zurück.
Frau Holle hat sich verwandelt:
Und auch du darfst dich verwandeln:
Der Götterbär hat seine Höhle verlassen. Die Schneeglöckchen durchbrechen den Boden. Die Lämmer werden geboren. Und das Licht – das wunderbare, warme, lebensspendende Licht – kehrt zurück.
Im zweiten Teil zeige ich dir, wie du Imbolc 2026 ganz praktisch feiern kannst – mit Ritualen für jedes Zeitbudget, von 5 Minuten bis zum halben Tag.
Aber für jetzt: Willkommen im Licht. Willkommen im Neubeginn. Willkommen in der Verwandlung.

„Wie die Erde im Bauch das neue Leben trägt,
so trägst auch du die Samen deiner Träume.
Lass sie ans Licht kommen.“
Lies hier weiter:

Durch meine Reise in die Welt der Geomantie und den keltischen Jahreskreis begann ich, den Winter mit neuen Augen zu sehen. Ich verstand, dass die Erde die Jahreszeiten braucht – und wir Menschen auch.

Die Geomantie wird als das europäische Feng-Shui bezeichnet und umfasst das Wissen über die energetischen Zusammenhänge von Mensch und Natur. Erfahren mehr.

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