
Durch meine Reise in die Welt der Geomantie und den keltischen Jahreskreis begann ich, den Winter mit neuen Augen zu sehen. Ich verstand, dass die Erde die Jahreszeiten braucht – und wir Menschen auch.
Jul und die Wintersonnenwende:
Wenn die weise Alte das Lichtkind gebiert – Die wahre Geschichte von Frau Holle
Du kennst das Märchen von Frau Holle – die freundliche Frau, die ihre Betten ausschüttelt und Schnee auf die Erde fallen lässt. Doch hinter dieser harmlosen Märchenfigur verbirgt sich eine der mächtigsten Göttinnen der germanischen und keltischen Mythologie.
Frau Holle – auch Holda oder Perchta genannt – ist die Hüterin der dunklen Jahreszeit. In der Mutternacht zur Wintersonnenwende gebiert sie das Lichtkind. Sie führt die Wilde Jagd durch die Rauhnächte. Sie prüft und segnet die Menschen am Perchtentag. Und sie verkörpert die dreifache Göttin: Jungfrau, Mutter und weise Alte.
In diesem Artikel erfährst du, wer Frau Holle wirklich ist, warum der Holunder ihr heiliger Baum ist und welche Rolle die drei Farben Weiß, Rot und Schwarz spielen. Tauche ein in die Mythologie der Wintersonnenwende und lerne die Göttin kennen, die unsere Vorfahren durch die dunkelste Zeit begleitete.
Wenn wir von der Wintersonnenwende sprechen, kommen wir an Frau Holle nicht vorbei. Sie ist weit mehr als die freundliche Märchenfigur aus unserer Kindheit, die ihre Betten ausschüttelt und Schnee auf die Erde fallen lässt.

Frau Holle – auch Holda, Hulda oder in ihrer strengeren Form Perchta (Berchta) genannt – ist die weise alte Göttin der dunklen Jahreszeit. Sie verkörpert den winterlichen Aspekt der Großen Muttergöttin und spielt eine zentrale Rolle in den Rauhnächten, jenen zwölf magischen Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig.
Ihr Name leitet sich von althochdeutsch huldvoll, gnädig oder hold ab – sie ist die Holde, die Huldvolle. Gleichzeitig steckt darin auch das Wort Hölle, das ursprünglich nicht den christlichen Ort der Verdammnis meinte, sondern die Unterwelt oder das Totenreich – jenen Ort, an dem die Seelen ruhen, bevor sie wiedergeboren werden.
Der Holunder ist ihr heiliger Baum. „Holler“ oder „Holder“ – die alten Namen für den Holunder – verweisen direkt auf die Göttin Holda. Kein Wunder also, dass man früher vor einem Holunderbusch den Hut zog und sagte: „Frau Holle, beschütze unser Haus!“ Man durfte ihn nicht einfach fällen – das hätte die Göttin erzürnt.
In der Mutternacht (Modranecht) zur Wintersonnenwende geschieht das zentrale Wunder der Jahreszeit: Frau Holle gebiert das Lichtkind in ihrem Schoß. Nach der dunkelsten Nacht bringt sie das neue Licht zur Welt – ein kraftvolles Bild für Neubeginn und Hoffnung.

Die Mutternacht war die heiligste Nacht des Jahres. Die Nacht, in der die Große Mutter – in welcher Gestalt auch immer sie verehrt wurde – das göttliche Kind gebiert. Das Christentum übernahm dieses uralte Motiv: Maria gebiert Jesus in der Heiligen Nacht.
Doch ursprünglich war es Holle, Frigga, Berchta – die Große Göttin in ihrer dunklen Wintergestalt, die in der tiefsten Dunkelheit das Licht zurück in die Welt bringt. Sie lehrt uns: Aus der größten Dunkelheit wird das hellste Licht geboren.
Dieses Prinzip gilt nicht nur für die Natur, sondern auch für unser Leben. Oft sind es die dunkelsten Momente, aus denen die größte Kraft erwächst.
Frau Holle ist die Hüterin der Samen, die tief in der winterlichen Erde ruhen und auf den Frühling warten. Unter ihrer schützenden Schneedecke bleiben sie bewahrt, bis die Zeit gekommen ist, dass sie keimen.
Sie behütet auch die ungeborenen Seelen unter ihrem Mantel. In der alten Vorstellung gab es einen Ort – oft ein Berg, ein See oder ein Brunnen –, an dem die Seelen warteten, bevor sie geboren wurden. Frau Holle hütete diesen Ort und entschied, wann eine Seele bereit war, ins Leben einzutreten.

Und ja, wenn sie ihre Federbetten ausschüttelt, fällt Schnee auf die Erde – ein Bild aus dem Märchen, das die Verbindung zwischen der Göttin und der Natur wunderschön zeigt. Der Schnee ist ihr Segen, ihre schützende Decke über der schlafenden Erde.
Alles, was im Frühjahr neu geboren werden will – Pflanzen, Tiere, Ideen, Projekte – ruht jetzt in ihrer Obhut. Sie ist die große Bewahrerin in der Zeit der Stille.
In ihrer winterlichen Erscheinungsform als Perchta zeigt Frau Holle auch ihre wilde, ungezähmte Seite. Sie ist nicht nur die sanfte Hüterin – sie ist auch die furchteinflößende Anführerin der Wilden Jagd.
Perchta bedeutet „die Glänzende“, „die Strahlende“ – ein Name, der ihre Macht und Größe ausdrückt. Sie ist die Percht, die Berchta, die in den Alpenregionen noch heute in den Perchtenläufen verkörpert wird.

Am Perchtentag (5. oder 6. Januar) ziehen noch heute vermummte Gestalten mit Glocken und Schellen durch die Dörfer. Mit ihren furchteinflößenden Masken und dem lauten Lärm vertreiben sie böse Geister und wecken die Natur aus dem Winterschlaf.
Es sind die Schiachperchten (die Hässlichen) und die Schönperchten – Verkörperungen der dunklen und hellen Aspekte der Göttin. Ein wildes, raues Ritual, das die ursprüngliche Kraft dieser Zeit spürbar macht.
In den Rauhnächten – jenen zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig – zieht Frau Holle als Anführerin der Wilden Jagd durch die frostklirrenden Nächte.

Ein Geisterheer begleitet sie:
Die alten Leute hörten sie kommen – im Heulen des Windes, im Sturm, der ums Haus pfeift, im Knarren der Bäume. Man blieb in diesen Nächten lieber drinnen, verschloss Türen und Fenster und stellte Speisen für die Geister bereit.
Aber keine Angst: Die Wilde Jagd ist nicht nur bedrohlich. Wo sie durchzieht, werden die Felder fruchtbar. Der Sturm und das scheinbare Chaos der dunklen Nächte bereiten den Boden für das neue Leben im Frühling.
Zerstörung und Schöpfung liegen nah beieinander – ein uraltes Prinzip der Natur. Das Alte muss vergehen, damit das Neue entstehen kann. Die Wilde Jagd räumt energetisch auf und macht Platz für den Frühling.
Am Perchtentag – der letzten Rauhnacht am 5. oder 6. Januar – kehrt Frau Holle in ihrer Perchta-Gestalt in die Häuser ein. Sie prüft, ob Ordnung herrscht und ob der Flachs versponnen ist.

Das mag uns heute merkwürdig vorkommen, hatte aber einen tieferen Sinn: Es ging um Vollendung.
Was begonnen wurde, sollte zu Ende gebracht werden. Lose Enden sollten verknüpft, Unerledigtes erledigt sein. Der Flachs musste bis zum Jahresende versponnen sein – eine Metapher dafür, dass wir die Fäden unseres Lebens zu Ende weben sollen.
Die Rechtschaffenen – jene, die ihre Aufgaben erfüllt, ihre Pflichten erledigt, ihr Handwerk ordentlich verrichtet hatten – belohnte sie. Sie brachte Segen, Glück und Fruchtbarkeit für das neue Jahr.
Die Faulen und Frevler aber bestrafte sie. Besonders gefürchtet war das „Bauchaufschlitzen“ bei den ganz Bösen – eine drastische Metapher dafür, dass Perchta einem den Spiegel vorhält und auf die „Bauchgefühle“ schaut:
Perchta zwingt uns zur Ehrlichkeit – besonders mit uns selbst. Eine harte, aber notwendige Lehrmeisterin.
Aber keine Sorge: Frau Holle ist nicht nur streng. Sie ist auch gnädig – wenn man ihr Respekt erweist.
Wenn man ihr kleine Leckereien vor die Tür stellt – ein Schluck Milch, etwas Gebäck, einen Apfel, etwas Brot – ist sie wohlgesonnen. Man hinterließ diese Gaben in den Rauhnächten, besonders am Perchtentag.

Diese Gaben waren:
Frau Holle hilft bei der Läuterung und unterstützt dabei, gestärkt aus schwierigen Zeiten hervorzugehen. Sie ist eine strenge, aber liebevolle Lehrmeisterin. Wie eine weise Großmutter, die uns auf den rechten Weg führt – manchmal sanft, manchmal mit klaren Worten.
Ein schöner Brauch, oder? In der dunkelsten Zeit des Jahres die alte, weise Göttin um Beistand zu bitten und ihr Dankbarkeit zu zeigen. Ein Ritual der Demut und der Verbundenheit.
Frau Holle verkörpert auch die dreifache Göttin – ein uraltes weibliches Prinzip, das in vielen Kulturen zu finden ist und das sich durch den Jahreskreis wandelt.
Die dreifache Göttin spiegelt nicht nur die Jahreszeiten, sondern auch die Lebensphasen einer Frau und die Mondphasen:

Weiß – Die Jungfrau (Frühling)
Rot – Die Mutter (Sommer)
Schwarz – Die Weise Alte (Winter)
Frau Holle in ihrer Wintergestalt ist die schwarze Göttin – die weise Alte, die das Ende kennt und gleichzeitig den Neubeginn ermöglicht. Sie steht am Tor zwischen Leben und Tod, zwischen einem Jahr und dem nächsten.
Diese drei Farben – Weiß, Rot, Schwarz – finden sich überall in der Wintersonnenwende-Symbolik. Besonders deutlich zeigen sie sich in drei heiligen Pflanzen:

Die Mistel mit ihren weißen Beeren → Die junge Göttin, die Jungfrau
Die Mistel wächst zwischen Himmel und Erde auf Bäumen. Sie berührt niemals den Boden. Sie symbolisiert das Ätherische, das Potenzial, das noch nicht manifestiert ist. Ihre weißen Beeren erinnern an Samen, an männliche Zeugungskraft. Sie ist die Pflanze des Neuanfangs.
Die Stechpalme mit ihren roten Beeren → Die Muttergöttin in ihrer Fülle
Die Stechpalme trägt mitten im Winter leuchtend rote Beeren – wie Tropfen Blut im Schnee. Sie symbolisiert die Lebenskraft, die auch in der dunkelsten Zeit nicht erlischt. Ihre roten Beeren erinnern an Menstruationsblut, an die Kraft des weiblichen Körpers, Leben zu schenken. Im Englischen heißt sie „Holly“ – direkt abgeleitet von „Holle“.
Der Holunder mit seinen schwarzen Beeren → Die weise Alte, Frau Holle selbst
Der Holunder ist der heilige Baum der Frau Holle. Seine schwarzen Beeren erscheinen im Spätsommer und Herbst. Sie symbolisieren die dunkle Zeit, den Tod, aber auch die Transformation. Der Holunder steht an Schwellen – zwischen Garten und Wildnis, zwischen Leben und Tod. Er ist die Pflanze der Weisheit und der Ahnen.
Wenn wir heute Mistel und Stechpalme zur Weihnachtszeit ins Haus holen, ehren wir unbewusst die dreifache Göttin. Der ewige Kreislauf von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt zeigt sich in diesen drei heiligen Pflanzen.
Das Adventsgesteck oder der Julkranz mit roten Beeren (Stechpalme oder Vogelbeeren), immergrünem Tannengrün und weißen Akzenten verkörpert diese Dreiheit noch heute.
Jetzt kennst du Frau Holle – nicht als Märchenfigur, sondern als die mächtige Wintergöttin, die sie wirklich ist. Du weißt, wie sie in der Mutternacht das Lichtkind gebiert, wie sie die Wilde Jagd führt und warum sie am Perchtentag in die Häuser kommt.

Du verstehst die drei Gesichter der Göttin und die Symbolik von Mistel, Stechpalme und Holunder. Die Mythologie der Wintersonnenwende hat sich dir erschlossen.
Im Teil 3 wird es nun praktisch und genussvoll:
Rezepte für die Wintersonnenwende
Rituale für den 21. Dezember
Räuchern und Reinigen
Freue dich auf konkrete Anleitungen, köstliche Rezepte und kraftvolle Rituale, mit denen du die Wintersonnenwende bewusst feiern kannst – egal ob du spirituell unterwegs bist oder einfach nur neugierig auf alte Traditionen.
Die Mythologie hast du kennengelernt – jetzt wird es Zeit, sie zu leben.
Bereit für die praktische Umsetzung? Teil 3 zeigt dir, wie du Jul wirklich feiern kannst – mit allen Sinnen.
Lies hier weiter:

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